Ahoi am Lago Maggiore

Isola Bella samt Palast der Adelsfamilie Borromeo (Foto: maxmann@pixabay.com)
Isola Bella samt Palast der Adelsfamilie Borromeo (Foto: maxmann@pixabay.com)

Attenziooooone, ruft Gianluigi und ruckartig ducken sich alle

Köpfe, denn keiner von den Segel-Greenhörnern an Bord will den im Wind tanzenden Mast abbekommen. Aber Segel-Profi Gianluigi hat alles im Griff auf dem sicheren Schiff. Ruckzuck sind alle roten und blauen Seile auf dem acht Meter langen Boot fest verzurrt, der Mast ist wieder fest. Und schon schießen wieder alle Köpfe in die Höhe und alle bestaunen bei kräftigem Wellengang und zwei Reisetabletten im Bauch die gigantische Landschaft rund um den Lago Maggiore (deutsch: Langensee). Kleine Fischerboote kreuzen unseren Weg. Rundherum sehen wir die dunklen Berghänge, die den riesigen, insgesamt über 200 Quadratkilometer großen und bis zu 372 Meter tiefen Lago Maggione umsäumen. Er schlängelt sich zu 80 Prozent durch die oberitalienischen Regionen Piemont und Lombardei und zu 20 Prozent durch die Schweiz. Unser Ziel sind die Borromäischen Inseln).

 

Nach gut zwei Stunden Segelfahrt haben wir die winzige Borromäische Isola dei Pescatori (deutsch Fischerinsel) erreicht, die nur knapp 56 Einwohner hat - aber dafür umso mehr Touris. Unzählige Rucksacktouristen schieben sich in der Sommer-Saison durch die engen Gässchen mit bunten Verkaufsständen samt Ledertaschen und Keramik. Der Markt erinnert ein bisschen an Teneriffa und Co.

 

Dafür ist es auf der Nachbarinsel Isola Bella (deutsch: schöne Insel) umso beschaulicher - mit der Fähre haben wir die nur kurze Überfahrt von etwa 20 Minuten gemacht. Etwa 400 Meter Luftlinie weiter liegt übrigens der legendäre Kurort Stresa, der gerne als „Perle des Lago Maggiore“ bezeichnet wird. Mit einer Länge von 320 Metern und einer Breite von 180 Metern ist die Isola Bella die zweit größte Insel der ingesamt fünf Borromäischen Inseln.

 

Highlight auf der Isola Bella ist der (Barock-)Palazzo Borromeo (von 1650 - 1671 erbaut) mit seinem terrassenartigen Garten drumherum. Das Ensemble erinnert an ein Schiff, das durchs Wasser gleitet. Während man innen durch die legendären Muschelgrotten und eleganten Salons Stuck, Rüstungen, Seidenteppichen und kostbaren Möbeln wandelt, blühen im Garten exotische Pflanzen und Bäume. Weiße Pfauen schreien oder sitzen majestätisch auf steinernen, oft mythologischen Skulpturen. Rundherum vom Palast-Gartenhat man einen herrlichen Blick auf den Lago Maggiore.

 

Mit Glück lässt sich sogar mal im Palazzo ein Blaublütler aus dem Adelsgeschlecht Borromeo blicken, dessen Vorfahren ab 1650 den Palazzo als Sommersitz erbauen ließen. Eine gehisste Fahne zeigt an, dass der hohe Besuch "zu Hause" ist.

 

Und wenn Sie schon mal in der Gegend sind, könnten Sie auch noch das Kloster Santa Caterina del Sasso Ballaro in der Provinz Varese besuchen. Eindrucksvoll schmiegt sich das Gotteshaus hoch oben über dem Lago Maggiore an den Fels.(www.eremodisantacaterina.it).

 

Wer die steile Treppe des Klosters erklommen hat (es gibt auch einen Aufzug), kann eindrucksvolle Fresken aus dem 16 Jahrhundert sehen. „Das Kloster wurde um 1300 errichtet“, erzählt Schwester Iris, die hier mit fünf Benediktinerinnen lebt und tolle Keramik brennt und mit bunten Blumenmotiven bemalt.

Das Haus ist der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Der Beiname Sasso bedeutet übrigens Stein.  Ballare heißt übersetzt "wackeln". Zum "Wackelkandidaten" wurde das Kloster um 1640 als eine Steinlawine erhebliche Schäden hinterließ. 1970 drohte das Gotteshaus sogar im See zu versinken. Doch Stahlträger, tief im Berg verankert, verhinderten schließlich den Absturz. 

 

Tipp: Besuchen sollte man auch den Wallfahrtsort Sacro Monte in der Hauptstadt Varese, deren Region drumherum den gleichen Namen trägt. 14 Kapellen wurden hier auf den „heiligen Berg“ vor 400 Jahren gebaut. Der gepflasterte Andachtsweg schlängelt sich wie die Linien auf einem Schneckenhaus von unten nach oben auf die Bergspitze und in jeder Windung steht eine eindrucksvolle Kapelle mit lebensgroßen Terrakotta-Figuren. Sie zeigen biblische Szenen wie von der Leidensgeschichte Jesu oder den Einzug in den Himmel von Jesus Mutter Maria.

 

Wer keine Lust zum „Kultur-Gucken“ hat, kann die Gegend auch mit dem Rad oder auf „Schusters Rappen“ erkunden.

Tourismus-Verantwortlicher Andrea Buffarello: „Allein Varese hat ein 800 Kilometer langes Wander- und Radwegenetz, rund 130 Kilometer davon sind reine Radwege.“

 

Viele dieser Strecken sind Rundtouren und einige davon sogar asphaltiert, wie der 29 Kilometer lange Rundweg um den Lago di Varese. Der Radweg ist auch für Ungeübte gut zu meistern – vorausgesetzt, man hat einen bequemen Sattel unterm Hintern. Leihräder gibt’s beim Fremdenverkehrsamt. Die Tour geht entlang an schönen Villen, durch Ahorn- und Kastanienwälder und vorbei an den urtümlichen Eishäusern, in denen ab 1720 die Fischer noch zwischen Eis und Heu ihre Fische über den Winter lagerten. Auf dem schlapp 15 Quadratkilometer großen See gleich um die Ecke vom Lago Maggiore fanden übrigens 2012 die Ruder-Europameisterschaften und in Varese 2008 die Weltmeisterschaft der Radrennfahrer statt.

 

Reise-Infos: